Ein Jahr unter Pfadfindern

24. Ein eher ungewöhnliches Alter um Pfadfinder zu werden, möchte man meinen. Ein knappes Jahr nach meinem Quereinstieg in den VCP blicke ich zurück wie es von statten ging und was sich alles seit dem getan hat.

Angefangen hatte alles damit, dass man mich fragte, ob ich bei einem Apfelsaft-Wochenende des Stammes Martin Luther Lumdatal mithelfen wolle. Mit eigentlicher Pfadfinderei hatte das noch relativ wenig zu tun, mal ganz davon abgesehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt, außer den typischen Klischees, noch kaum Ahnung hatte, aber es ist als mein erster Kontakt mit den Aktivitäten der Spezies Homo Scoutensis festzuhalten.

Atze auf dem Apfelsaftlager 2011

Atze auf dem Apfelsaftlager 2011 (auf dem Bild rechts unten)

Im Sommer 2013 begleitete ich selbigen Stamm auf ihrer Sommerfahrt nach Ungarn, wo ich eine sehr schöne Zeit hatte und schon eher eine Vorstellung davon bekam, wie es so laufen kann, auch wenn auf Grund der extremen Hitze auf verschiedenes wie ein Hajk verzichtet wurde und es eher wie ein sommerlicher Urlaub war. Ich durfte mich dort auch als Koch versuchen, was wohl gut ankam und man fragte mich auch schon, ob ich nicht auch auf das Bundeslager mitkommen wolle, was ich noch belächelnd mit einem „mal schauen“ abtat, aber dazu später mehr. Nach Ungarn war ich zugegebenermaßen recht erschöpft, nicht nur wegen der langen Autofahrt, welche mir als Materialtransport oblag, aber ich fühlte mich gut, glücklich.

Genau genommen lässt sich der Anfang von allem noch viel früher setzen. In der elften Klasse lernte ich Heiko kennen. An einigen Wochenenden war dieser wegen „Pfade finden“ unterwegs, das wusste man. Über ihn machte ich Bekanntschaft mit Jonas, ebenfalls dieser Sache zugehörig. Beide sind nun schon lange enge Freunde von mir, welche ich nicht missen möchte. Mit letzterem wohne ich mittlerweile in einer WG, welche noch eine weitere Pfadfinderin beherbergt. Bereits lange vor meinem Beitritt lernte ich viele interessante Menschen kennen, auch außerhalb der Region, wobei sich mein Verständnis von diesem Begriff noch wandeln sollte.

Aber nun ans Eingemachte: Man lud mich ein mit dem VCP Hessen auf dem Donnerskopf Silvester zu feiern. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, „jetzt steckst du schon so tief drin, kannste dich auch gleich anmelden.“ Ruckzuck ratterte meine Anmeldung durchs Landesbüro und pünktlich zum 1.1.2014 war ich offiziell Mitglied im VCP. So schnell kann es gehen.

Von da an ging alles Schlag auf Schlag: Ein ungemein großer Bekanntenkreis baute sich zusätzlich neben meinem „normalem“ Umfeld auf, ich wurde in die Stammesarbeit eingespannt und war bei allem dabei wo ich nur konnte, von der Meute bis hin zu Überregionalem, wo man mich eben brauchte. Man wird zum Stammeskoch gemacht, bereitet das Stammeslager mit vor, wird aufgenommen und bekommt sein Halstuch, ist Teil weiterer Lager, fährt auf Netzwerktreffen, als Techniker auf das Bundeslager et cetera. Nicht immer war es einfach, häufig sogar ziemlich fordernd, vom ständigen Schlafmangel ganz zu Schweigen, aber man wuchs mit seinen Aufgaben und Erfahrungen, tauchte immer weiter ins Pfadfinderleben ein, sodass aus einem Hobby eine hohe Priorität wurde, als hätte man nie etwas anderes gemacht. Auch wenn mir im Gegensatz zu den meisten vieles fehlt, wie etwa in einer Sippe groß zu werden oder eine eigene zu haben, niemals möchte ich meine Entscheidung rückgängig machen wollen. Der herzliche Umgang miteinander, die positive Resonanz und Anerkennung, immerzu Neues kennenlernen und die daraus resultierende Motivation an sich selbst zu arbeiten sprachen mich sehr an. Viele Menschen meines Umfelds zeigten sich erstaunt, als sie erfuhren, dass ich nun Pfadfinder sei, könnten sich das nur schwer vorstellen. Einige Pfadfinder dagegen waren teils verwundert, dass ich erst seit so kurzem dabei sei, was wohl dafür spricht, wie wohl ich mich fühle. Weshalb mich zunächst viele nicht in der Rolle des Scouts vorstellen konnten, liegt wohl an den amerikanisch geprägten, para-militärischen Klischees. Wie fern oder nah die Realität daran sein kann, merkte ich durch Kontakt mit anderen Stämmen, Regionen und Pfadfinderbewegungen, die verschieden weitreichenden Auslegungen und der Einfluss des Bündischen.

Es ist wahrlich nicht immer alles blumig, aber darum geht es ja, es eben besser zu machen. Ich kann jedem empfehlen sich mal ein wenig Pfadfinderisches in seinem Leben zu geben. Vieles mag etwas befremdlich und eigenartig wirken, wer ganz frisch damit in Kontakt kommt und auch wenn es einen nicht dazu hinreißt es selbst zu werden, wird es mit Sicherheit doch ein Erlebnis sein, ist man offen für das was geboten wird und noch wichtiger, was man alles selbst leisten kann.

Gut Pfad, Matthias aka Atze

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