…und was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Insel und einer Hallig?

Unsere Sommerfahrt führte uns in diesem Jahr auf die Hallig Hooge. Wir Pfadfinder versuchen ja immer etwas neues zu entdecken, und uns immer auf ein kleines Abendteuer zu begeben. Diesmal haben wir uns zwar gegen das eine Fahrt ins Ausland aber trotzdem für einen Flecken mit einer gewissen Abgeschiedenheit entschieden. Unsere Sommerfahrt führte uns auf Hallig Hooge und das führt uns wiederum zur Überschrift dieses Artikels; ich möchte an dieser Stelle noch nicht lösen.

Freitags um 7:30 Uhr ging es los: Für manch einen zu einer zu frühen Stunde begaben wir uns auf den problemlosen Hinweg. Marburg – Hamburg – Bredstedt – Schlüttsiel – Hooge. Vier mal Umsteigen, immer mit kleinen Pausen und gegen 18:00 Uhr waren wir dann da. Heikos Eltern hatten einen Anhänger mit allem Material mit dem Auto zum Fähranleger gebracht und unser Platzwart brachte ihn auf der Hallig dann bis zu unserem Zeltplatz. An dieser Stelle vielen Dank an Familie Schmelz, die ihren Sommerurlaub extra passend gelegt hat und auch an Henryk Schäfer, der uns den Anhänger seines Unternehmens zur Verfügung gestellt hat. Auf Hogge selbst war erstmal das Wetter auffällig, als Mittelhessischer Pfadfinder ist man Mittelgebirge gewöhnt und kein flaches Land mitten in der Nordsee (Was ist noch mal eine Hallig?). Bei der Platzeinweisung wurde uns dann jedenfalls eröffnet, dass es heute Nacht zu relativ hohen Windgeschwindigkeiten käme und wir doch zur Not in den Schutzraum gehen könnten. Wir entschlossen uns, die Zelte erst einmal aufzubauen; die Evakuierung von 22 Personen geht ja doch bedeutend schneller als die von 4000, wie auf dem Bundeslager.

Sommerfahrt Auswahl - 1
Es kam, wie es kommen musste: In der Nacht erlebten wir dann relativ heftigen Wind und bald einsetzenden Regen. Die App des Deutschen Wetterdienstes leistete gute Dienste in der Kurzzeitprognose, worauf hin wir uns entschieden für eine Stunde in den Schutzraum zu gehen, denn dann sollte das gröbste vorbei gewesen sein. Alle Zelte hielten, das Unwetter zog vorüber, nur das Schlafdefizit schleppten noch einige ein paar Tage mit sich herum.
Am nächsten Tag lernten wir alle das Lummerlandlied kennen, das schon in der Augsburger Puppenkiste das Märchen von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer ankündigte, denn diese beiden Helden begleiteten uns während der Zeit auf Hallig Hooge. Nach dem Frühstück beseitigten wir die Unordnung der letzten Nacht und warteten den Regen am. Und nach dem Mittag machten wir uns auf den halbstündigen Weg zur Schutzstation Wattenmeer, an deren Programm wir insgesamt vier mal teilnahmen. Bei der Halligführung wurde in einem Rundgang über die Geschichte und die einzelnen Warften der Hallig erzählt. Das gab uns allen einen Überblick, sodass wir uns schnell selbst zurechtfanden.


Der Sonntag begann nach dem Frühstück mit einer Andacht. Jim Knopf wird in einem falsch adressierten Packet nach Lummerland geliefert, die Bewohner nehmen ihn auf, sorgen für ihn und beschaffen ihm sogar einen Ausbildungsplatz im Laden von Frau Waas. In unserer Gesellschaft scheint das leider gerade nicht selbstverständlich zu sein, so hört man gelegentlich Deutschland sei voll. Auf Lummerland tritt genau dieser Fall auch ein: Als Jim Knopf größer ist ist die Insel voll und jemand muss sie verlassen. Der König will jedoch nicht „den Ausländer“ rauswerfen, sondern denk viel eher daran, das Transportwesen, den einzigen Industriesektor der Insel abzuschaffen: Emma, die Lokomotive. Lukas und Jim kommen dem zuvor und verlassen zusammen mit Emma die Insel um noch viele andere Kulturen kennen zu lernen, stets freundlich und meistens freundlich empfangen.
Die mittägliche Lesestunde brachte Jim und Lukas nach Mandala, einem fiktionalen asiatisch anmutenden Land. Wir bastelten verschiedene Arten von Lampions um unsere Jurte an den Ort der Geschichte anzugleichen und mancher versuchte zum ersten mal das Jonglieren. Highlight dieses windigen Tages war natürlich auch das Drachen steigen lassen – wenn sich auch nicht selbst gebastelt waren.

Montags ging es wieder auf zur Schutzstation, in der wir diesmal einiges über die im Wattenmeer und auf den Halligen vorkommenden Tieren lernen konnten. Jim und Lukas mussten sich gegen die fiesen Oberbonzen durchsetzen um zum Kaiser zu gelangen – so erging es auch uns, wir stellten uns dem Pompfenkampf, bevor wir den Tag mit einem schönen Tschaiabend beenden konnten.

Jim und Lukas verließen Mandala und machten sich auf dem Weg in die Drachenstadt, denn sie wollten die Tochter des Kaisers retten. Auf dem Weg durch das Tal der Dämmerung ging ihre Lokomotive kaputt, die sie in der Wüste reparieren mussten. In einem Postenlauf rund um die Hallig suchten wir die Teile für die Lokomotive, die es in verschiedene Stationen zu erspielen gab. Nach dreieinhalb kalten und nassen Stunden war dann auch die letzte Gruppe zurück am Zeltplatz, auf dem wir dann erst einmal einen warmen Tee kochten.

Am Mittwoch stand wieder Programm von der Schutzstation auf dem Plan: eine Wattwanderung zur Vogelhallig Norderoog. Von April bis Oktober lebt hier ein Vogelwart, der sich der Beobachtung und dem Schutz seltener Vögel widmet. Er war nicht ganz allein, auf der Hallig http://jordsand.jimdo.com/vor-ort/hallig-norderoog/ sind ehrenamtliche Helfer, die die Uferschutzbefestigungen erneuern und erweitern. Der Vogelwart berichtete uns trotzdem in seiner charismatischen Art über das Einsiedlerleben und seine Aufgaben. Nach einem bleibenden Eindruck und dem Heimweg konnte jeder machen was er mochte – die meisten spielten ganz verschiedene Karten- und Gesellschaftsspiele in der Jurte.

Am Mittwoch Abend hatte sich das Wetter verbessert und wir beschlossen etwas später aufzustehen – hier legte sich dann auch das Schlafdefizit zum ersten mal. Zur Mittagszeit waren wir noch einmal in der Schutzstation, diesmal zum Bernsteinschleifen. Jeder bekam einen Bernstein und machte sich mit Schleifpapier und Zahnpasta-Politur einen Kette daraus. Jim, Lukas und Emma waren mittlerweile in der Drachenstadt angekommen und so wollten auch wir etwas drachiges erschaffen. Wir versuchten uns an Drachenmasken, die aber wegen der Feuchtigkeit auf Hooge nicht recht gelingen wollten. Besser klappte es da mit den Drachenstadt Spielplatten – das ist eine Art Werwolf, nur eben in der Drachenstadt. Außerdem bemalten wir die Knöpfe, die wir drei Tage zuvor aus einer formbaren Keramik hergestellt hatten – Sie können dann zuhause als eine Art Badge auf die Kluft genäht werden.

Am Freitag Morgen konnten wir auch Dank des großartigen Sommerwetters den Brunch samt von den Gruppenleitern inszeniertem Frühstücksfernsehn sehr geniesen! Bei „Matzes morgendlichen Mahlzeiten“ wurde ein Rührei bereitet, Klaus von Klaus und Klaus hatte seinen großes Comeback und wir erfuhren den neusten Tratsch von der Hallig. So soll vor gerade einmal 150 Jahren der König auf der Hallig genächtigt haben! Nachmittags gab es dann die letzte Aktion mit der Schutzstation: eine Meereskundliche Fangfahrt. Ein Schleppnetz wurde für 15 Minuten über den Meeresgrund gezogen und uns wurden verschiedene Tiere gezeigt. Der zweite Fang wurde mit an Land genommen und zu Statistischen Zwecken gezählt.

Samstags bereitete jedes Zelt und auch einige musische AGs ihre Beiträge für den Abschlussabend vor. Natürlich blieb die Freizeit nicht auf der Strecke es war genügend Zeit da um in der Nordsee zu baden – wenn denn grade mal Flut war!
Das fulminante Abschlussabend bot Einblick in den Alltag eins Königs und seine aufgeregte Art; Klaus von Klaus und Klaus trat noch einmal auf; Der Internet-Klassiker „Alles wird aus Hack gemacht“ wurde live präsentiert und in einem Quiz wurden noch einmal die wichtigsten Fakten zur Hallig Hooge abgefragt.

Am Sonntag blieb nur das Zusammenpacken, der Abbau, ein letzter Nordseebadegang und eine kleine Mutprobe. Heiko und Freddy gingen vor und markierten einen Weg mit Knicklichtern. Immer zwei Personen wurden in einem gewissen Abstand losgeschickt, um den Lichtern zu folgen, möglichst ohne ihre Lampen zu benutzen. Am Ende der Hallig angekommen wurden wir Teil einer Andacht. Heiko berichtete uns über den Mut der beiden Lokomotivführer, sich auf eine so lange Reise zu begeben und Kinder aus einer Drachenstadt zu befreien. Und auch wir Pfadfinder scheinen immer wieder Mut zu beweisen: Ob auf dem Weg vom Zeltplatz zu diesem Ort, die 10-tägige Abwesenheit von Zuhause oder als Betreuer für so viele Kinder. Verglichen mit den beiden Helden der Geschichte haben wir nicht viel Mut bewiesen, bei uns gab es doch meistens ein Netz und einen doppelten Boden – falls doch mal etwas schief gehen sollte. Wie misst man eigentlich Mut – wer sagt was mutig ist? Wir glauben Mut ist das überschreiten einer persönlichen Grenze, die man nur selbst festlegen kann.
Emily und Tom bekamen ihr Jungpfadfinderhalstuch verliehen, für den Mut, den sie auf diesem Lager bewiesen hatten und als Zeichen, dass sie ein Teil unserer Gemeinschaft geworden sind. Die Nacht zum Montag verbrachten wir übrigens unter freiem Himmel – das braucht auch einiges an Mut.

Dir Rückfahrt nach Marburg stellt uns noch einmal vor eine Herausforderung. Aufgrund der ungünstigen Kombination von Fähre und Zugverbindung mussten wir 6 Stunden in Bredstedt verbringen, dank der vielen neu kennengelernten Kartenspiele war das aber kein Problem. Von dort nach Hamburg und weiter nach Kassel. Der ICE hatte leider 50 Minuten Verspätung, was dazu führte, dass wir unseren Anschlusszug verpassten. Die Bahn verwies uns auf einen Bummelzug nach Treysa, von dort aus konnten wir mit dem Taxi weiter nach Marburg. Anderthalb Stunden nach dem angekündigten Termin waren wir dann dort endlich angekommen und alle freuten sich wieder zu Hause zu sein.

Ein Lager auf der Hallig Hooge ist etwas ganz besonderes: Ein Abenteuer, das Mut erfordert, wenn auch mit Netz und doppeltem Boden.

Gut Pfad, Jonas

 

Mut benötigt es übrigens auch auf einer Hallig zu Leben – Halligen werden nämlich mehrmals im Jahr überspült und nur die Häuser auf den Warften bleiben verschont. Die Wege und unser Zeltplatz sind dann nicht mehr zu sehen!

Pfadfinder stechen in See

Über Christi Himmelfahrt haben sich 160 Pfadfinder aus Nordhessen zu einem großen Lager versammelt, auch elf Pfadfinder vom Stamm Martin Luther aus dem Lumdatal waren mit dabei.

An der Nordhessisch-Nordrhein-Westfälischen Grenze liegt zwischen der hügeligen Landschaft der Diemelstausee. Auf dem dortigen Jugendzeltplatz waren vom 13. bis 17. Mai eine Gruppe vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu Gast. Die 160 Teilnehmer entstammen der Region Kurhessen, die sich in etwa in den Grenzen von Gießen über Fulda bis nach Hann. Münden befindet. Und auch wenn der jüngste Pfadfinder auf dem Zeltlager gerade einmal ein Jahr alt, und der älteste die 40 schön überschritten hatte, war das Lager auf die 10 bis 16 jährigen ausgerichtet.

Piratenlager 1

Unter dem Motto ‚Piratenlager‘ erlebte die Gruppe wie ihr Piratenkönig kenterte und verloren ging und sie sich untereinander zerstritten, um doch letztlich einen neuen König zu finden, der den großen Piratenschatz zu finden vermochte. Dabei gab es für die viele Piraten verschiedenste Aufgaben zu lösen: Ob eine Schatzsuche für den schwachen aber altersweisen Piratenemerit, eine Seeüberquerung mit einem selbstgebauten Floß, das gestalten von Schatzkisten oder das Errichten eines Turmes nur aus Holzstangen und Seil, für jeden war etwas dabei.
Christi Himmelfahrt wurde mit einem Gottesdienst gefeiert: Piraten sind immer auf der Suche nach dem größten Schatz, der alle ihre Sorgen verschwinden lässt und dessen Reichtum für alle Zeiten ausreicht. Doch was wäre, wenn dieser Schatz gar nicht im materiellem Besitz zu finden ist, sondern viel mehr im Immateriellen liegt? Sind echte Freunde, auf die man sich verlassen kann, seine Familie, die immer für einen da ist, oder gar das Vertrauen auf Gott nicht die viel größeren Schätze im Leben?

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Ein Pirat lässt sich erklären, dass ein Schatz nicht nur meisten Gold zu finden ist.

Am Freitag Nacht wurde es dann noch einmal aufreibend, die Pfadfinder begaben sich in den Wald um in einem Geländespiel herauszufinden, wer die beste Piratencrew sei und demnach den neuen Piratenkönig stellen dürfte. Nach 5 anstrengenden Stunden des Handels, Überfallens und Ausrauben kamen auch die meisten Gruppen um zwei Uhr nachts zurück zum Platz. Eine Gruppe entscheid sich unter freiem Himmel im Wald zu übernachten – eine Grenzerfahrung, die bestimmt einigen im Kopf bleiben wird.
Der Samstag diente der Erholung und Spielen in der gesamten Gruppe, bevor am Abend der Sieger und damit auch der neue Piratenkönig verkündet wurde. Der große Schatz wurde natürlich Brüderlich unter allen aufgeteilt. Der Sieg und die Verbrüderung wurde bis tief in die Nacht mit einem großen Singe-Abend gefeiert.


Die elf Pfadfinder aus dem Lumdatal sind froh dabei gewesen zu sein, viele neue Bekanntschaften geschlossen zu haben und auch einige Erfahrungen reicher geworden zu sein. Die Gruppenstunden finden außerhalb der Schulferien im evangelischen Gemeindezentrum in Londorf statt. Es gibt insgesamt sechs Gruppen: Die “Meute Balu” (7-10 Jahre) trifft sich montags um 17:30 Uhr, die Jungpfadfinder (10/11 Jahre) der “Sippe Marsupilami” freitags um 15 Uhr, die “Grauwölfe” (10/11) freitags um 16:30 Uhr, die “Königstiger” (12/13) donnerstags um 16:30 Uhr, die “Luchse” (Pfadfinder 14/15 Jahre) freitags um 18:15 Uhr und die “Steinmarder” (15/16) mittwochs um 18:30 Uhr. Sie erreichen die Gruppe im Internet unter www.vcp-lumdatal.de oder via E-Mail an hallo@vcp-lumdatal.de.

Piratenlager 2

Hier ist der Zeitungsartikel aus der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 22. Mai 2015…

Piraten suchen den größten Schatz

Eine Hooge namens Hallig

Im Sommer fahren wir auf die Hallig Hooge. Um schon mal einen Vorgeschmack davon zu Präsentieren gab es am letzten Elternabend, sowie auch an der Stammesversammlung eine Präsentation, die wir gerne auch hier mit euch teilen wollen…

Klickt euch durch und schnuppert ein bisschen digitale Hooge-Luft! Und wer noch mehr sehen will schaut einfach mal auf www.bildungswarft.de vorbei.

Ohne Handy den Pfad finden

Der nachfolgende Artikel entstammt der Gießener Allgemeinen Zeitung vom 06. Mai 2015. Wir danken für die Veröffentlichung!

Rabenau (rüg/pm). Sie sitzen am Feuer, schlafen im Zelt und tragen fast immer ein Halstuch. Es gibt sie außer in sec s Staaten auf der ganzen Welt verteilt und sie sind nach den großen Weltreligionen mit einer halben Milliarde aktiver und ehemaliger Mitglieder die größte Vereinigung der Welt. DieRede ist von der Pfadfinderbewegung. Eine solche Gruppe gibt es auch im Lumdatal.

Der Stamm „Martin Luther“, benannt nach dem großen Reformator, hat etwa 35 Mitglieder und ist in der evangelischen Kirchengemeinde Londorf aktiv, zu der Londorf, Kesselbach, Allertshausen sowie Climbach gehören. „Wir fühlen uns aber nicht nur zu diesen Orten, vielmehr zu unserer Region zugehörig. Deswegen ist auch das Lumdatal ein Teil unseres Namens“, heißt es auf der Homepage des Stammes.

„Gutes Tun braucht kein Gesetz“

Wie beschäftigen sich Kinder und Jugendliche heute? Kaum ein Kind ohne 5pielekonsole, Handy oder Computer. Durch G8 (verkürzte Schulzeit) wird auch von der Schule immer mehr der täglichen Freizeit den Jugendlichen abverlangt. „Die Pfadfinderei bietet eine Alternative zum Schulbankdrücken und der häufig einseitigen Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen“, meint Jonas Höchst von den Martin-Luther-Pfadfinder. Und zwar abseits des Klischees vom „Jungen in kurzer Hose, der auf der Suche nach einer alten Dame, der er über die Straße helfen kann, ist“.

Denn der Leitspruch „Jeden Tag eine gute Tat“ sei nicht wörtlich zu verstehen. Gutes zu tun brauche kein Gesetz. „Es ist eine Botschaft, die wir den Kindern über die Jahre versuchen zu vermitteln. Das Reflektieren des eigenen Handelns hat doch eine viel wichtigere Bedeutung als, das sture Befolgen von gegebenen Regeln“, so Höchst.

Bei den Pfadfindern gibt es Methoden, die dies vermitteln sollen. Statt einen Trainer, der Anweisungen gibt oder einem Lehrer, der Aufgaben verteilt, wird die Gruppe in die Planung mit einbezogen. Ein geflügeltes Wort aus der Arbeit: „Pfeif auf die Regeln – probier es aus!“ Natürlich könne man Kinder nicht sich selbst überlassen. „Aber man kann sie leiten, damit sie erkennen was gut für sie ist und von was sie eher Abstand halten sollten. Auf die heiße Herdplatte fasst man eben nur ein einziges mal“, so Höchst.

Viel wichtiger sei jedoch der Umgang miteinander, zwischenmenschliche Verhaltensweisen, die ansonsten auch unter der immer knapper werdenden Freizeit leiden würden. In den Gruppenstunden und vor allem auf den Freizeiten soll dies vermittelt werden. Backen, Kochen, Knoten üben oder auch gemeinsam eine Flussüberquerung schaffen – das stärkt Zusammengehörigkeitsgefühl und Verantwortungsbewusstsein.

Auch das gehört zu den Gemeinsamkeiten: Martin-Luther-Pfadfinder stärken einem Geländespiel in geselliger Runde.

Auch das gehört zu den Gemeinsamkeiten: Martin-Luther-Pfadfinder stärken einem Geländespiel in geselliger Runde.

Beliebt sind natürlich die Lager. Vor zwei Jahren war man in Ungarn, im August steht die Hallig Hooge auf dem Programm. Auch für die Verteilung des Friedenslichtes zu Weihnachten engagieren sich die Lumdatal-Pfadfinder oder schlagen beim Allendorfer Nikelsmarkt ihre Jurte auf, um die Besucher mit Getränken zu verköstigen.

Spaß haben und etwas lernen

Höchst: „Über die vielen Jahre entwickeln sich so in der gemeinsam alternden Gruppe Werte, die das Leben auch außerhalb des Pfadfinderischen beeinflussen. Die Fähigkeiten, Ansichten und Werte eines jeden einzelnen gehen in das Kollektiv der Gemeinschaft ein. So passiert es dann auch, dass Personen, die schon lange nicht mehr Teil unserer aktiven Arbeit sind, auch nach Jahren noch sagen: Einmal Pfadi, immer Pfadi!“ Seit Oktober vergangenen Jahre gibt es zwei neue Gruppen im Pfadfinderstamm Martin Luther. Auf die Frage, wie sie zum Mitmachen gekommen seien, hätten die meisten Kinder erklärt, dass sie durch Freunde, Geschwister oder ihre Eltern auf die Gruppenstunden hingewiesen wurden. Schon spannender sei dann die Frage gewesen, warum sie dabei geblieben sind. „Weil’s Spaß macht und man etwas lernen kann“, habe man von verschiedenen Kindern zu hören bekommen. Das Spielen in der Natur sei als positiver Aspekt genannt worden.

Die Verleihung des Halstuchs sei für einige ein Höhepunkt gewesen, berichtet Höchst weiter. „Wir tragen das Halstuch um uns gegenseitig zu erkennen und um uns unsere pfadfinderische Identität immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Die Kinder empfinden sich mit der Übergabe des Halstuchs als Teil der Gruppe und unserer Gemeinschaft.“

Die Gruppenstunden finden außerhalb der Schulferien im evangelischen Gemeindezentrum in Londorf statt. Es gibt insgesamt sechs Gruppen: Die „Meute Balu<“ (7-10 Jahre) trifft sich montags um 17.30 Uhr, die Jungpfadfinder (1O/11 Jahre) der „Sippe Marsupilami“ freitags um 15 Uhr, die „Grauwölfe“ (10/11) freitags um 16.30 Uhr, die „Königstiger“ (12/13) donnerstags um 16.30 Uhr, die „Luchse“ (Pfadfinder 14/15 Jahre) freitags um 18.15 Uhr und die „Steinmarder“ (15/16) mittwochs um 18.30 Uhr.

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Scan-Version des Artikels „Ohne Handy den Pfad finden“, Gießener Allgemeine Zeitung, 06. Mai 2015.

Meine Wahl! – 26. April 2015

Demokratie ist eine feine Sache, bei uns Pfadfindern zum Beispiel auf der Mitgliederversammlung am 10. Mai. Am kommenden Sonntag wählt die Evangelische Kirche in Kurhessen Nassau (EKHN) ihre Kirchenvorstände. Und natürlich auch in unserer Kirchengemeinde wird gewählt! „Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben.“

Die Details zur Wahl sind den Wahlberechtigten schon in einem Brief zugestellt werden, hier gibt es noch einmal die Kandidatenliste:

Ort Plätze Kandidaten
Londorf 6 Sabine Gräf – Erich Klein – Alexander Laubach – Ursula Lich – Hiltrud Lohwasser – Jürgen Schnecker – Karin Schönhals – Magda Singer
Allertshausen 2 Gerald Burk – Andreas Hahn-Hofmann – Doris Hubka – Egon Kellermann
Climbach 2 Tamara Martin-Huschka – Astrid Schäfer – Isabel Schön
Kesselbach 2 Sonja Blaufelder – Anneliese Grün – Herta Klös – Mario Rizzo

Geht zur Wahl und gebt eure Stimme ab, ihr entscheidet nicht nur wer im Kirchenvorstand sitzt, sondern gebt den gewählten auch einen kräftigen Motivationsschub mit.

Gut Pfad, Jonas Höchst

Vorbild sein, du sollst!

So hätte Yoda einen Punkt unserer Reflexion der Arbeit im Stamm vermutlich ausgedrückt. Bei uns war das ganze dann schon etwas runder formuliert…

Wir waren auf Führungsrunden Klausurfahrt.

Wer nicht weis worum es geht, dem möchte ich es erläutern. Die FüRu fährt meistens zu Anfang des Jahres für ein Wochenende weg, um mal wieder etwas mehr Zeit den Vorbereitungen von Veranstaltungen zu Verbringen. Wir erstellen dort einen Jahresplan, mit all den schönen Veranstaltungen an denen wir und vor allem die Kinder teilnehmen – wer sich für die Termine interessiert, der sei auf den Kalender verwiesen. Dieses Wochenende haben wir über die Sommerfahrt auf die Hallig Hooge, das Baulager in den Osterferien und das Römerlager gesprochen und viele kluge und manche Kreative Ideen gefunden.

Das Sommerlager wird zum Thema Jim Knopf stattfinden. Die Hallig ist schießlich fast eine Insel mit zwei Bergen! Wer sich schonmal darauf einstellen will, findet hier einen Klassiker:

Darüber hinaus haben wir viel über uns geredet und wie wir miteinander arbeiten wollen, auch dafür muss man sich eben manchmal Zeit nehmen.

Wir freuen uns auf ein schönes Jahr 2015 mit euch allen!

Gut Pfad, Jonas

Selfie 1

Thinking Day 2015

Der 22. Februar ist der gemeinsame Geburtstag von Olave und Robert Baden-Powell. Es ist zur Tradition vieler Pfadfinder geworden dieses Tag zu feiern. In diesem Jahr gibt es drei große Projekte an denen ihr teilhaben könnt:

Mit Kluft und Halstuch in die Schule oder zur Arbeit gehen

… sorgt auf jeden Fall für Aufmerksamkeit! Aber vielleicht seht ihr jemanden, der auch Pfadfinder ist, von dem ihr es aber noch gar nicht wusstet. Oder jemand erkennt euch? Findet es heraus und verbringt den 22. Februar in Kluft & Halstuch!

Postkarten

… mag eigentlich jeder. Wer einem anderen eine Freude macht, dem wird auch selbst eine Freude gemacht. Meldet euch hier für die Postkartenaktion an. Achtung: nur noch bis zum 31. Januar 2015 möglich! Ihr gestaltet die Rückseite eine Postkarte und sendet Sie einem anderen Pfadfinder, der sich darüber freut. Genauso bekommt auch ihr eine Postkarte!

Bild von http://www.vcp.de/scouting100/aktionen/thinking-day/thinking-day-postkarten/

Foto von pressefeuer.at

Foto von pressefeuer.at

Der Thinking Day Penny

Bei dieser Aktion gibt jeder Spender 5 Cent pro Lebensjahr an den Ring Deutscher Pfadfinder. Das Geld wird von da aus an verschiedene Bildungsprojekte weitergeleitet.

Weitere Infos gibt es auf der Website des Thinking Day.

Gut Pfad, Selina und Jonas

Ein Jahr unter Pfadfindern

24. Ein eher ungewöhnliches Alter um Pfadfinder zu werden, möchte man meinen. Ein knappes Jahr nach meinem Quereinstieg in den VCP blicke ich zurück wie es von statten ging und was sich alles seit dem getan hat.

Angefangen hatte alles damit, dass man mich fragte, ob ich bei einem Apfelsaft-Wochenende des Stammes Martin Luther Lumdatal mithelfen wolle. Mit eigentlicher Pfadfinderei hatte das noch relativ wenig zu tun, mal ganz davon abgesehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt, außer den typischen Klischees, noch kaum Ahnung hatte, aber es ist als mein erster Kontakt mit den Aktivitäten der Spezies Homo Scoutensis festzuhalten.

Atze auf dem Apfelsaftlager 2011

Atze auf dem Apfelsaftlager 2011 (auf dem Bild rechts unten)

Im Sommer 2013 begleitete ich selbigen Stamm auf ihrer Sommerfahrt nach Ungarn, wo ich eine sehr schöne Zeit hatte und schon eher eine Vorstellung davon bekam, wie es so laufen kann, auch wenn auf Grund der extremen Hitze auf verschiedenes wie ein Hajk verzichtet wurde und es eher wie ein sommerlicher Urlaub war. Ich durfte mich dort auch als Koch versuchen, was wohl gut ankam und man fragte mich auch schon, ob ich nicht auch auf das Bundeslager mitkommen wolle, was ich noch belächelnd mit einem „mal schauen“ abtat, aber dazu später mehr. Nach Ungarn war ich zugegebenermaßen recht erschöpft, nicht nur wegen der langen Autofahrt, welche mir als Materialtransport oblag, aber ich fühlte mich gut, glücklich.

Genau genommen lässt sich der Anfang von allem noch viel früher setzen. In der elften Klasse lernte ich Heiko kennen. An einigen Wochenenden war dieser wegen „Pfade finden“ unterwegs, das wusste man. Über ihn machte ich Bekanntschaft mit Jonas, ebenfalls dieser Sache zugehörig. Beide sind nun schon lange enge Freunde von mir, welche ich nicht missen möchte. Mit letzterem wohne ich mittlerweile in einer WG, welche noch eine weitere Pfadfinderin beherbergt. Bereits lange vor meinem Beitritt lernte ich viele interessante Menschen kennen, auch außerhalb der Region, wobei sich mein Verständnis von diesem Begriff noch wandeln sollte.

Aber nun ans Eingemachte: Man lud mich ein mit dem VCP Hessen auf dem Donnerskopf Silvester zu feiern. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, „jetzt steckst du schon so tief drin, kannste dich auch gleich anmelden.“ Ruckzuck ratterte meine Anmeldung durchs Landesbüro und pünktlich zum 1.1.2014 war ich offiziell Mitglied im VCP. So schnell kann es gehen.

Von da an ging alles Schlag auf Schlag: Ein ungemein großer Bekanntenkreis baute sich zusätzlich neben meinem „normalem“ Umfeld auf, ich wurde in die Stammesarbeit eingespannt und war bei allem dabei wo ich nur konnte, von der Meute bis hin zu Überregionalem, wo man mich eben brauchte. Man wird zum Stammeskoch gemacht, bereitet das Stammeslager mit vor, wird aufgenommen und bekommt sein Halstuch, ist Teil weiterer Lager, fährt auf Netzwerktreffen, als Techniker auf das Bundeslager et cetera. Nicht immer war es einfach, häufig sogar ziemlich fordernd, vom ständigen Schlafmangel ganz zu Schweigen, aber man wuchs mit seinen Aufgaben und Erfahrungen, tauchte immer weiter ins Pfadfinderleben ein, sodass aus einem Hobby eine hohe Priorität wurde, als hätte man nie etwas anderes gemacht. Auch wenn mir im Gegensatz zu den meisten vieles fehlt, wie etwa in einer Sippe groß zu werden oder eine eigene zu haben, niemals möchte ich meine Entscheidung rückgängig machen wollen. Der herzliche Umgang miteinander, die positive Resonanz und Anerkennung, immerzu Neues kennenlernen und die daraus resultierende Motivation an sich selbst zu arbeiten sprachen mich sehr an. Viele Menschen meines Umfelds zeigten sich erstaunt, als sie erfuhren, dass ich nun Pfadfinder sei, könnten sich das nur schwer vorstellen. Einige Pfadfinder dagegen waren teils verwundert, dass ich erst seit so kurzem dabei sei, was wohl dafür spricht, wie wohl ich mich fühle. Weshalb mich zunächst viele nicht in der Rolle des Scouts vorstellen konnten, liegt wohl an den amerikanisch geprägten, para-militärischen Klischees. Wie fern oder nah die Realität daran sein kann, merkte ich durch Kontakt mit anderen Stämmen, Regionen und Pfadfinderbewegungen, die verschieden weitreichenden Auslegungen und der Einfluss des Bündischen.

Es ist wahrlich nicht immer alles blumig, aber darum geht es ja, es eben besser zu machen. Ich kann jedem empfehlen sich mal ein wenig Pfadfinderisches in seinem Leben zu geben. Vieles mag etwas befremdlich und eigenartig wirken, wer ganz frisch damit in Kontakt kommt und auch wenn es einen nicht dazu hinreißt es selbst zu werden, wird es mit Sicherheit doch ein Erlebnis sein, ist man offen für das was geboten wird und noch wichtiger, was man alles selbst leisten kann.

Gut Pfad, Matthias aka Atze

Lumdataler Pfadfinder holen das Friedenslicht

Im Jahre 1986 wurde vom österreichischen Fernsehsender ORF eine Aktion losgetreten, die bis heute wächst: Das Friedenslicht von Betlehem. Im Zentrum dieser Aktion steht eine Flamme, die jedes Jahr in der Geburtsgrotte Jesu entzündet wird. Von dort aus wird sie mit dem Flugzeug nach Wien gebracht, wo sie in einem Aussendungsgottesdienst an Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus mehr als 30 Ländern übergeben wird.
Die Pfadfinder empfangen die Flamme dort und machen sich mit der Bahn oder dem Flugzeug auf in ihre Heimat, um das Licht und die Idee des Friedens auch dort weiter zu verbreiten.

In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Motto „Friede sei mit dir, Shalom, Salam.“, und soll auf die Probleme und den nötigen Dialog zwischen den drei monotheistischen Weltreligionen aufmerksam machen.

Die Lumdataler Gruppe des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) war schon ab Sonntag in der Grünberger Stadtkirche zu Gast und feierte den Advent und das vergangene Jahr. In verschiedenen AGs wurden Plätzchen gebacken, Lederringe für das Pfadfinderhalstuch geflochten, Christbaumschmuck gebastelt und Lebkuchenhäuschen gestaltet. Die abendliche Adventsfeier wurde mit dem Gruselspiel „Die Werwölfe vom Düsterwald“ eröffnet, um dann später in andächtiger Stimmung gemeinsam zu singen, Tschai zu trinken und die zuvor gebackenen Plätzchen zu essen.

Am nächsten Tag hieß es gleich nach dem Frühstück aufräumen, um mit dem Zug zum Friedenslichtgottesdienst nach Fulda zu fahren. Zusammen mit anderen Pfadfindern aus Marburg, Bad Nauheim und Kirtorf (Vogelsberg) verging die Zugfahrt wie im Flug.
Im ökumenischen Fuldaer Gottesdienst waren zwei syrischstämmige Deutsche zu Gast, die vom Besuch ihrer Heimat im Sommer berichteten. Sie kritisierten die die Folgen des Krieges und berichteten über ihre gefährliche Einreise. Der mit Bildern untermalte Bericht verdeutlichte die Reichweite des Krieges zusätzlich. Nachdem das Licht von den vier Besuchern des Wiener Gottesdienstes übergeben wurde, zündeten die Besucher gegenseitig ihre Kerzen an dieser Flamme an um das Symbol des Friedens zu verbreiten.

Friedenslicht2014-35

Die Lumdataler Pfadfinder begaben sich nach dem gemeinsamen Abschlusskreis und einer kurzen Wartezeit mit dem Zug zurück in ihre Heimat. An jeder Haltestelle stiegen zwei von ihnen mit entzündeten Kerzen aus, um das Friedenslicht an die schon am Bahnsteig wartenden Menschen zu verteilen. Dank guter schneller Übergabe des Lichtes und guter Koordination mit der Hessischen Landesbahn traf diese mit nur leichter Verzögerung schließlich in Gießen ein.

In dieser Woche sind Pfadfinder aus verschiedenen Ecken Deutschlands in Berlin zu Gast, um das Friedenslicht in die Bundesministerien zu bringen und so an den Frieden zu erinnern. Die Lumdataler Pfadfinder leisteten ihren Anteil daran durch das Verteilen aus den Zügen und werden am 21. Dezember sowohl dem katholischen Gottesdienst (09:30 Uhr), als auch den evangelischen Gottesdienst (10:30 Uhr) in Londorf besuchen. In Allendorf/Lumda wird die Flamme des Friedens dann an Heilig Abend um 16:00 Uhr in der evangelischen Kirche gebracht. Die Besucher, die die Flamme mit in ihr zuhause nehmen wollen, sind gebeten Kerzen mitzubringen.